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Wie entsteht und wie verschlimmert man ein psychologisches Problem?

"Du solltest mal zum Psychologen gehen", wird in Deutschland immer noch gerne als Beschimpfung benutzt. In die gleiche Richtung geht die kleine Gemeinheit: "Das ist dein Problem nicht meines!" Offensichtlich hat man keine Probleme und schon gar keine psychologischen, wenn man akzeptiert werden will. Gerade deshalb, wollen wir hier ein wenig Klarheit schaffen.

Was ist eigentlich ein Problem?

Aufgaben und Probleme haben die gleiche Struktur.

Es gibt eine Ausgangs- oder Ist-Situation, eine Sollbeschreibung oder Zieldefinition, und die Wege und Methoden, zur Erreichung des Sollzustandes oder des Ziels.

Bei einer Aufgabe, sind sowohl die Ausgangssituation, die Merkmale des Sollzustandes, als auch die Mittel, Wege und Methoden zur Erreichung des Sollzustandes, bekannt. Es handelt sich um die wiederholte Durchführung eines Prozesses, den man kennt, eben einer Aufgabe.

Ein Problem liegt vor, wenn eines oder mehrere der drei Bestandteile "Ist", "Soll" und "Weg" nicht bekannt, neu oder sehr schwierig sind. Entweder ist die Ausgangssituation unklar, schwer durchschaubar und schwierig analysierbar. Oder die Art und die Merkmale des Zieles sind unbekannt, nicht erkennbar oder schwer erreichbar. Oder die Wege zum Ziel sind nicht bekannt, neu oder sehr schwierig.

Aufgaben und Probleme unterscheiden sich also

  1. im Bekanntheitsgrad ihrer Bestandteile und

  2. in der Art des Sicherheitsgefühls (sehr unsicher bis sehr sicher) mit dem man an die entsprechenden Tätigkeiten und Schwierigkeiten herangeht.


Wie entsteht nun ein psychologisches Problem?

In schwierigen und/oder neuen Situationen klappt irgend etwas nicht so richtig. Das können Situationen mit anderen Menschen sein, oder neue Aufgaben. Dadurch entstehen ungute, diffuse und nicht benennbare Gefühle. Wenn diese Gefühle in einer Überdosis entstehen, spricht man in der Psychosprache von Überflutung. Weil diese Gefühle verunsichern, wird das unbekannte Neue in der Situation oder in der Art der Anforderung nicht durchschaut, falsch analysiert oder falsch interpretiert. Oft sind die Zusammenhänge zwischen Ursache und Wirkung auch wirklich schwierig erkennbar bzw. gar nicht durchschaubar.

Eigentlich erfordert die neue oder schwierige Situation besondere Aufmerksamkeit und besondere Bemühungen, um neue Bewältigungsstrategien bzw. Lösungsideen (heraus-) zu finden. Oder die vorhandenen Bewältigungsstrategien müssen auf die neue Situation angepasst werden. Aber aufgrund der als "nicht ertragbar" eingeschätzten Gefühle von Angst, Unsicherheit, Hilflosigkeit usw. beginnt man abzuschalten, zuzumachen, dichtzumachen.

Das ist die Geburtsminute des psychologischen Problems.

Eine Verschlimmerung, bzw. die Chronifizierung erfolgt, wenn das Vermeiden und Nichtakzeptieren der Situation sich ausweitet.

Zuerst betrifft es nur die Situation und die beteiligten Personen, dann schon das ganze Thema und irgendwann genügt bereits der Gedanke an das schwierige Thema, um Verdrängungsmechanismen in Gang zu setzen.

Ein negatives Selbstwerterleben des Betroffenen vertieft und beschleunigt diese Verdrängungs- und Vermeidungsprozesse.

Schließlich gewöhnt sich der Betroffene so an das nunmehr rein innere Problem. Es gehört zu ihm, wie ein Körperteil. Obwohl es sich um dauerhaft inneren Stress handelt, der im Bewusstsein verdrängt und im Leben vermieden werden muss, kann sich der Betreffende ein Leben ohne diese (nunmehr unterbewusste) Dauerbelastung nicht mehr vorstellen, bzw. hält das alles für völlig normal.

Lassen sie uns das Ganze an einem Alltagsbeispiel verdeutlichen. Eine Story, die so oder ähnlich schon x-mal vorgekommen ist. Die Namen und einige Details sind etwas verändert. Vielleicht erkennen Sie sich ja selber in diesem oder jenem Detail. Bitte nicht böse sein. Erkenntnis ist der erste Schritt zur Selbstbefreiung.

Cindy und Dorothea verstehen sich nicht mehr

Die Ausgangssituation:

Dorothea ist seit neun Jahren Sachbearbeiterin in einer kleinen amerikanischen Firma in Frankfurt, in der Cindy vor eineinhalb Jahren Chefin des Büros wurde. Dorothea ist 42 Jahre und Cindy ist 32 Jahre. Die beiden verstanden sich sofort und meinten, sie wären Freundinnen.

Insbesondere Dorothea, ermöglichte Cindy einen optimalen Start als Bürochefin, weil sie ihr alle Hintergrundinformationen liefern konnte, die es je in der Firma gegeben hat.
Dorothea kommt seit neun Jahren täglich zwischen 15 bis 20 Minuten zu spät zur Arbeit, sie hat nur fünf Minuten zu Fuß. Dafür arbeitet sie abends gern länger und bleibt so lange, bis alles erledigt ist. Da diese Überstunden bezahlt wurden, war das außerdem noch lukrativ.

Die Firma entwickelte sich kontinuierlich, seit drei Jahren expandiert sie stark. Irgendwann bat Cindy Dorothea, doch bitte, wie alle anderen, auch pünktlich zu kommen. Dorothea versuchte es ein paar Tage lang ernsthaft, aber sie schaffte es nie. Sie sei nun mal ein Morgenmuffel und käme früh morgens nicht so schnell in die Gänge.

Cindy ärgert sich, weil sie ihre Autorität untergraben sieht und bezahlt Dorothea nur noch ein Drittel der Überstunden.
Als das nicht hilft, schreit sie Dorothea auch schon mal vor den anderen Mitarbeitern an: quot;Sie solle jetzt endlich pünktlich kommen.quot; Als das auch nichts bewirkt, verweigert sie Dorothea einen Urlaub. Und das teilt sie ihr erst am letzten Arbeitstag, eine Stunde vor Feierabend, mit.
Die Überdosis negativer und verwirrender Gefühle

Dorothea ist wütend, hilflos und verunsichert wie noch nie in ihrem Leben. Sie kann ihre Freundin nicht verstehen. Sie beweist ja Tag für Tag ihren guten Willen. Zweimal hat sie vorsichtig versucht, Cindy ihren Ärger und ihre Gefühle mitzuteilen. Aber Cindy hat einfach lauter geschrieen, und danach wusste Dorothea nicht weiter.
Die nicht zu Ende gedachte Situationsanalyse:

Anstatt Cindy zu fragen, warum sie sich so unfreundlich benehme, bzw. sich in Cindy als Chefin hineinzuversetzen, zieht sich Dorothea gekränkt zurück.

Dorothea kommt nicht auf die Idee, die Ursachen in ihrem Zuspätkommen zu suchen. Was schon über neun Jahre okay ist, kann einfach nur gut sein.

Allerdings arbeitet sie jetzt nicht mehr so gerne abends länger, denn es wird ja nicht mehr bezahlt. Manchmal lässt sie jetzt auch bewusst etwas liegen.
Die Kraftfresser:

Dorothea will sich nicht mit anderen streiten – und schon gar nicht schreiend. Sie muss nun mal frühmorgens Zeit zum Bummeln haben. Das Leben ist ja eh schon hart genug.
Die negativen Glaubenssätze.

Ich werde es nie schaffen pünktlich zu kommen, weil ich nun mal ein Morgenmuffel bin und immer sein werde.

Freundinnen dürfen sich nicht streiten, sondern sollen sich aufeinander verlassen können.
Wenn sich mal jemand daneben benimmt, soll man großzügig darüber hinwegsehen und verzeihen. Irgendwann kommen alle Menschen wieder zur Vernunft, wenn man ihnen nur zeigt, wie Liebe und Freundschaft funktionieren. Dorothea fühlt sich moralisch im Recht, weil sie ja Cindy ihre furchtbaren verbalen Ausrutscher verziehen hat.

Gegenüber Chefs sitzt man immer am kürzeren Hebel.

Irgendwann kommt Dorothea der schreckliche Verdacht, dass Cindy im Auftrag der Firmenleitung handelt. Sie wäre die erste, die nach zehn Jahren Firmenzugehörigkeit eine Firmenrente bekäme. Das hat vor ihr noch keine Mitarbeiterin erreicht. Irgendwann gab es mit allen Ärger, und alle haben dann irgendwann von sich aus gekündigt. Dorothea entwickelt nun den neuen negativen Glaubenssatz, dass man sie rausekeln wolle, um die Firmenrente nicht bezahlen zu müssen.

Weiterhin glaubt Dorothea, dass sie in ihrem Alter als Arbeitnehmer schon zum alten Eisen gehöre. Sie glaubt, dass sie entweder überhaupt nie wieder Arbeit, oder eine ganz, ganz schlechte Stelle bekommen werde.
Die Verschlimmerung durch Dorotheas negatives Selbstwerterleben:

Dorothea hält sich nicht für wertvoll oder liebenswert. Ihre Eltern haben sie nicht gewollt und der Mann, wegen dem sie damals ihre Heimat verließ, hatte sie schrecklich sitzen gelassen. Danach war sie lange arbeitslos und hat vom Sozialamt und von Schwarzarbeit als Bedienung gelebt. Obwohl sie sehr gut aussieht und sehr souverän auftreten kann, hält sie sich für schwach und meint, jeder könne sie austricksen. Jetzt lebt sie mit einem Musiker zusammen, der eigentlich nie da ist, und sie richtet sich in fast allen Alltagsangelegenheiten nach ihm.

Gegenüber autoritär auftretenden Männern und Frauen, hatte sie noch nie eine Chance. Dorothea hält sich für ein kleines Licht, sie werde sicherlich immer ausgenutzt und verscheißert werden.
Das vermeidende Verhalten und das verdrängende Denken:

Je länger der Konflikt dauert, um so ängstlicher vermeidet Dorothea ein klärendes Gespräch. Sie tut so, als wäre alles okay.

Manchmal scherzen und lachen Cindy und Dorothea wieder wie früher. Dann denkt Dorothea erst recht: wir sind wieder Freundinnen. Sie macht zwar immer noch Überstunden, aber bekommt kaum noch welche bezahlt.

Das hat sie akzeptiert, aber sie hat vor jedem neuen Urlaub immer wieder Angst, er könnte ihr in letzter Minute gestrichen werden. Im Urlaub denkt sie fast immer nur daran, was Cindy und die Firmenleitung sich wieder für neue Schikanen einfallen lassen könnten.

Schließlich hat sie schon Angst, wenn sie nur an die Arbeit und die Firma denkt. Sie bekommt einen allergischen Hautausschlag. Die Ärzte behandeln sie mit immer neuen Mitteln, aber nichts hilft wirklich.
Eine absurde Beziehungsgestaltung verschlimmert das Problem weiter:

Dorothea gestaltet die Beziehung zu Cindy immer seltsamer. Anstatt pünktlich zu kommen, kommt sie nach wie vor zu spät. Manchmal kommt sie nun schon bis zu 30 und 35 Minuten nach offiziellem Arbeitsbeginn zur Arbeit. Wenn Cindy tobt oder sie vor anderen runterputzt, murmelt sie ihre Entschuldigungen, oder tut so, als habe sie nichts gehört.

Cindy befürchtet mittlerweile, dass Dorothea die Anführerin einer gegen sie gerichteten Revolte sein könnte, und kontrolliert so gut wie jede Tätigkeit von Dorothea. Sie bezahlt ihr überhaupt keine Überstunden mehr und stellt vor jedem Urlaub von Dorothea Kataloge von Sonderaufgaben zusammen, die Dorothea dann allerdings erfüllt. Dann tun sie beide so, als wären sie wieder Freundinnen, so wie früher. Wenn dann Cindy glaubt, Dorothea hätte sich endlich gebessert, kommt diese erst recht wieder zu spät.

Dorotheas Ängste vor dem drohenden Arbeitsplatzverlust, den Demütigungen auf dem Sozialamt, und dem endgültigen sozialen Abstieg, werden immer schlimmer. Die Beziehung zu ihrem Freund verschlechtert sich. Von ihm erhält sie weder verbale, noch reale Unterstützung, weil er meint, sie solle dort endlich aufhören. Sie liest jetzt jede Woche Stellenanzeigen, aber bewirbt sich nirgends, weil ja immer nur Frauen unter dreißig gesucht werden. Dorothea schläft jetzt immer schlechter ein und wacht öfter nachts schweißgebadet auf.

Woraus besteht also ein psychologisches Problem?

  1. Aus einer nicht bewältigten Situation oder Anforderung.

  2. Aus einer Überdosis negativer oder verwirrender Gefühle.

  3. Aus einer folglich nicht zu Ende gedachten Situationsanalyse – und demzufolge keiner Problemlösung.

  4. Aus einem oder mehreren Kraftfressern (negativen Programmierungen).

  5. Aus negativen Glaubenssätzen über die Ursachen der inneren und äußeren Situationsvermeidung.

  6. Aus einer aktuellen, anhaltenden oder dauerhaften Störung des Selbstwerterlebens und einem negativen Persönlichkeitsbild.

  7. Aus einem die auslösenden Situationen vermeidenden Verhalten und einem die Gedanken an diese Themen verdrängendes (inneres) Verhalten.

  8. Aus einer Beziehungsgestaltung, die dazu führt, dass der Kontakt zu allen Personen, die an diese Situation(en) erinnern oder damit konfrontieren, stark kontrolliert, oder abgebrochen wird.

Was ist das Besondere an einem psychologischen Problem?

  1. Dass die Sachprobleme von Gefühlen begleitet werden, und diese Gefühle ein Eigenleben bekommen.
    Dieses Eigenleben kann sich in verschiedenen Dimensionen abspielen: Die Intensität negativer Gefühle ist zuweilen einfach schwer ertragbar. Die gleichzeitige Existenz positiver und negativer Gefühle ist zuweilen schwer akzeptierbar. Manche Gefühle oder Gefühlsmischungen hat man noch nie erlebt, und man muss erst Worte und Namen dafür finden.

  2. Durch diese Verwirrung der Gefühle wird das normale Denken negativ beeinflusst bzw. verhindert.
    Deshalb wird entweder gar keine Lösung angestrebt, oder eine Lösung "versucht", die auf falschen Annahmen beruht. Diese Lösung geht schief und verursacht neue Sachprobleme, oder verschlimmert das Vorhandene. Dazu kommen meist Beziehungsprobleme zu anderen Beteiligten.

  3. Eine Chronifizierung tritt ein, wenn das Selbstwerterleben des Probleminhabers sowieso schon angeschlagen war oder prinzipiell negativ verläuft.

  4. Setzt dann noch eine dauerhafte Vermeidung aller, mit dem ursprünglichen Problem zusammengehörigen Situationen, Personen, Themen und Gedanken an diese Dinge ein, spricht man von einer Sekundären Neurotischen Fehlentwicklung. Die Wahrnehmungsschwellen für diese Sachverhalte werden erhöht, wichtige Bestandteile der Realität einfach getilgt bzw. verzerrt, uminterpretiert. Man spricht von einem partiell gestörten Realitätsbezug (ohne Krankheitswert).

Wie verschlimmert man ein psychologisches Problem bis hin zur Persönlichkeitsstörung?

  1. Sich sofort intensiv ärgern, natürlich über die Anderen. Jede Verantwortung für alles, was nicht geklappt hat oder passiert ist, von sich weisen, bzw. ablehnen. Die auslösende Situation und alle beteiligten Personen schlecht machen, bzw. Gründe dafür suchen, warum diese schon immer schlecht waren und warum sie gegen einen eingestellt sind. So programmiert man sein Unterbewusstsein negativ.

  2. Mit diesen negativen Gedanken einschlafen und aufwachen. Besser kann man nichts abspeichern und immer wieder neu abspeichern. Das Unterbewusstsein zählt ja unter anderem auch die Menge der negativen Nachrichten über diese furchtbaren Personen und Situationen.

  3. Die auslösende Situation vermeiden und den Kontakt zu allen beteiligten Personen verdünnen, bzw. abbrechen. Ständig nach weiteren Informationen suchen, die diese Vermeidungshaltung rechtfertigen und als sinnvolles Verhalten erscheinen lassen. Man nennt das: ein Vorurteil oder eine unrealistische Falschbewertung installieren.

  4. Das Selbstwertgefühl reagiert natürlich auf solche Niederlagen wie eine Badewanne, aus der man das Wasser lässt. Deshalb sollte man über die wirklichen Gefühle von Hilflosigkeit, Angst, Ohnmacht, Wut, Inkompetenz usw. auf keinen Fall mehr reden, oder sie gar reflektieren. Besser ist es zu kompensieren. Mit Suchtverhalten aller Art: Essen, Trinken, Rauchen, Fernsehen, sich ablenken. Kompensieren ist alles das, was man nicht im rechten Maß macht, sondern übertreibt und zwar kontinuierlich übertreibt.

  5. Wenn das Selbstwerterleben einmal ramponiert ist, lohnt es sich zu grübeln und sich in immer schlimmere Ausgänge hinein zu phantasieren. Oder überhaupt nur noch die schlechten Nachrichten dieser Welt aufzunehmen. Wenn man sich ständig mit dem Schlimmsten vergleicht, kann man nur gut abschneiden. Natürlich leidet das Selbstwerterleben dann noch mehr, weil überhaupt keine guten Botschaften mehr rein kommen.

  6. Die größte Steigerung der Verminderung des Selbstwerterlebens ist möglich, wenn prophylaktisch so viel wie möglich Dinge künstlich umgedeutet werden. Alles was in Richtung Kränkung, Ablehnung, Geringschätzung, feindliche Absicht usw. umgedeutet werden kann, sollte man nutzen. Das eindrucksvollste Beispiel ist die Geschichte Der Hammer von Paul Watzlawick.
    Auf diese Art und Weise erhält das Unterbewusstsein täglich negative Nachrichten. Und irgendwann wird es kumulativ wissen: "Ich bin ein Versager, alle sind gegen mich, ich kann mich sowieso nicht wehren, die Welt ist schlecht und feindlich. Und wenn ich nicht mein bisschen Rauchen, Essen oder Trinken hätte, dann hätte ich gar nichts mehr vom Leben."

  7. Schließlich geht es noch darum, sein Bild von der Welt endgültig einzuschränken. Um alles das, was mit der ursprünglichen Situation an unangenehmen Gefühlen verbunden ist, zu vermeiden, sollte man auch seine Wahrnehmungsschwellen an allen Stellen, die einen an die ursprüngliche Situation erinnern könnten, erhöhen. Sich ein dickes Fell anschaffen, eine Elefantenhaut ausbilden – und alles löschen, was nicht ins innere Bild von der Welt passt. So werden, wie es die Bildzeitung vormacht. Das gibt ungeheure Pseudostabilität. Und zwar solange, wie man die Realität ausblenden kann. Wenn sie mal mit Gewalt wieder einbricht, bricht dann natürlich auch das gesamte pseudostabile Bild von der Welt und der eigenen Persönlichkeit zusammen.

Ich hoffe, Sie haben sowohl ein wenig lachen, als auch ein wenig weinen können. Ich habe dieses Beispiel aufgeschrieben, weil ich, genau wie so viele andere Psychologiestudenten auch, bei der Wahl meines Studiums, das diffuse Gefühl hatte, mit mir sei irgend etwas nicht ganz in Ordnung. Selbsthilfemotivation nennt man das fachlich. "Er studierte Psychologie oder Medizin, weil er sich selber (heimlich) therapieren wollte, ohne dass es jemand merkt".

Ich habe mich damals sicherlich geschämt, für wer weiß was alles. Aber ein solches pragmatisches Modell, wie Probleme entstehen, an welchem klitzekleinen Punkt das wirkliche Problem entsteht, wie leicht man es da noch lösen könnte und wie es dann immer schlimmer und schlimmer wird, das hat mir während meines ganzen Psychologiestudiums keiner beigebracht. Schade.

Na gut, dafür habe ich’s heute für alle gemacht.

Und hier noch mal die Zusammenfassung:

Woraus entsteht und was behindert mentale Power?

Mentale Power entsteht aus

  • der Klarheit der Erkenntnis von Ort, Zeit und Anforderung,

  • der Klarheit der Werte, Bedürfnisse,

  • der Klarheit der Ziele,

  • insbesondere der Brisanz einer gefällten Entscheidung dieses Ziel zu erreichen,

  • und aus einer positiven Beziehung zu der Person, für die man dieses Ziel erreichen will.

Mentale Power wird verhindert durch

  • negativ situative Programmierungen aller Art – genannt Kraftfresser,

  • situationsübergreifende negative Programmierungen aller Art – genannt negative Glaubenssätze,

  • ein negatives Selbstwerterleben und/oder

  • eine negative Beziehung zu sich als Persönlichkeit (Ablehnung statt Akzeptanz).

Was ist also zu tun?